Neustadt–die virtuelle Stadt von Microsoft

Eine virtuelle, eine digital Stadt im Netz – mit allem, was dazu gehört. Das ist die Vision von Microsoft von der vernetzten & zukunftsfähigen Stadt von morgen. Einer der Schwerpunkte ist natürlich: Wie kann die IT dabei helfen? Wie kann sie die Kommune effizienter, schneller, lebenswerter – und obendrein auch noch wirtschaftlicher machen? Neustadt soll die (möglichen) Antworten dafür geben …

2012-03-12 20h53_11Neustadt – das war auch eine der Geschichten, die Microsoft auf der CeBIT erzählt hat. Und ich muss zugeben: Die Geschichte wurde gut erzählt. Der Einstieg bildete die Tageszeitung von Neustadt an – der Neustadt Bote (Link). Eine Vier-Seiten-Broschüre, die die wichtigsten Themen anreißt und – logo –Lust auf mehr machen soll. Social Media Analyse Digitale Stadt, das Projekt – oder besser: Der Projekt-Pool – Chancenrepublik Deutschland und natürlich die immer wichtiger werdende Cloud, um nur einige zu nennen.

Und der Faden zieht sich weiter – ins Internet. Über das Portal der Stadtverwaltung Neustadt (Link), das mit der CeBIT online gegangen ist, werden die Kernthemen in Form einer kommunalen Website dargestellt:

  • Rathaus
  • Polizei
  • Bürgerdienste
  • Gesundheit
  • Bildung
  • Wirtschaft

Ach so: Wie es sich für eine richtige Stadt gehört gibt es natürlich auch ein Goldenes Buch. Und dort hat sich unsere Bundeskanzlerin bei Ihrem CeBIT-Messebesuch eingetragen (hier der Link auf eine Pressemitteilung von Microsoft).

Leider geben die einzelne Bereiche jeweils nur einen Überblick über mögliche Themen.  Konkrete Lösungsansätze oder Praxisbeispiele fehlen. Noch. So gibt es z.B. die Ankündigung, dass die FamilyApp derzeit von der Firma emotion touch GmbH entwickelt wird. Auch hier gibt die Website von Microsoft wenig Hintergrundinfos oder etwas “zum anfassen”. Aber auf Nachfrage wurde schnell der direkte Kontakt zum Geschäftsführer von emotion touch GmbH hergestellt (dickes Lob – so eine flotte Reaktion würde man sich häufiger wünschen).

In einem Telefonat erläuterte der CEO den aktuellen Stand der Entwicklung. Hiernach basiert das Projekt auf einer Open-Data-Plattform, die im Rahmen der Zusammenarbeit mit Microsoft um einen Cloudansatz ergänzt wurde: Kommunen sollen hierbei Daten in eine Microsoft-Cloud ablegen und dann mit Hilfe der App den Zugriff darauf freigeben. Vorteil: Gegenüber von Insellösungen zwischen Softwarehersteller und Kommune hat die Lösung von emotion touch den Vorteil, eine Lösung für (theoretisch) alle Kommunen bereitzustellen. Allerdings steht man zur Zeit noch in Verhandlungen mit den Kommunen, welche Daten bereitgestellt werden können, da – und das ist einer der Unterschiede zu den Einzellösungen – die Open-Data-Informationen zu einem bestimmten Thema (beispielsweise “Spielplätze in der Gemeinde/Stadt”) in einem einheitlichen Format in die Cloud einfließen sollen (ansonsten wäre man wieder bei einer Insellösung).

Das Projekt soll in ganz Deutschland an den Start gehen und die Apps werden für alle drei großen Smartphone-Player – Android, Windows Phone & iPhone – entwickelt. Allerdings scheinen sich die Verhandlungen für einen (großen) Pilotkunden zäh zu gestalten: Ein Termin für den Roll-Out steht daher (noch) nicht fest.

Fazit: Das Portal “Stadtverwaltung Neustadt” ist zwar nett aufgebaut, enthält aber wenig greifbares. Interessant ist meiner Meinung nach nur die Family App der Firma emotion touch GmbH – und hier besonders der Open-Data-Ansatz, mit dem ich mich in den nächsten Wochen einmal genauer beschäftigen möchte …

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